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Mitteldeutsche Zeitung 17.03.08/2

Bürgermeister schicken Postkarten ab

Aktion für ein Zusammengehen von Wörlitz und Vockerode mit Dessau-Roßlau - Karten erhältlich
Von unserer Redakteurin Carla Hanus
 

Wörlitz/Dessau/MZ. Treffpunkt Briefkasten. Kurz vor Beginn des Festzuges zum Frühlingserwachen durch Wörlitz werden gegenüber dem Eichenkranz die Bürgermeister von Wörlitz und Vockerode sowie der Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau erwartet, um ihre Unterschrift auf die Postkarten „Wir gehören zusammen“ zu setzen, die die gemeinsame Zukunft von Wörlitz und Vockerode mit Dessau-Roßlau fordern.
Diese Karten (die MZ berichtete) gibt es zurzeit mit zwei Motiven: das eine zeigt Sportler aus Dessau-Roßlau und Wörlitz, das andere die drei Künstler aus Dessau-Roßlau, die seit dem Wochenende ihre gemeinsame Autorengalerie in Wörlitz haben. Auf der Rückseite steht neben dem Adressaten, Ministerpräsident Wolfgang Böhmer: „Bitte respektieren Sie den Willen der Bürgerentscheide und -befragungen. Die Bürgerinnen und Bürger haben entschieden, Wörlitz und Vockerode gehören zu Dessau-Roßlau. Bitte handeln Sie.“
„Das Gefühl, dass wir zusammengehören, ist einfach viel stärker.“ Horst Schröter Bürgermeister Wörlitz Dessaus Ex-Oberbürgermeister Hans-Georg Otto wartet beim Treff am Briefkasten gleich mit einem praktischen Vorschlag auf: „Ihr könnt das Porto sparen, der Innenminister ist da.“ Doch die Organisatoren haben auch an Briefmarken gedacht, damit die ersten Karten an diesem Tag auf den Weg gebracht werden können.
Denn Innenminister Holger Hövelmann (SPD) nimmt die Aktion zwar zur Kenntnis und sein Staatssekretär Rüdiger Erben auch zwei Karten mit, jedoch ohne die Unterschriften von Bürgern und auch, ohne sie selbst zu unterzeichnen. Hövelmann will dann auch keine Interpretationsrichtung vorgeben, wie sein Besuch in Wörlitz beim Frühlingserwachen zu werten sei. Ebenso setzt auch Bundestagsabgeordneter Ulrich Petzold (CDU) seinen Namen nicht auf eine dieser Postkarten. Er habe sich eine ganz andere Gebietsreform gewünscht, erklärt er. Ein Zusammengehen der ehemaligen Landkreise Wittenberg und Bitterfeld sowie ein großer Kreis Anhalt mit dem Altkreis Bernburg wäre ihm lieber gewesen. Nun aber sollte der Landkreis Wittenberg nicht geschwächt werden, findet der Selbitzer und wünscht sich vom Kreis ein Zeichen zur Schule Oranienbaum.
Die Wörlitzer jedenfalls würden nicht nachlassen in ihrem Bestreben, nach Dessau-Roßlau zu kommen, versichert deren Bürgermeister Horst Schröter. Das ändere sich auch nicht, wenn die Zusage der Landesregierung noch länger auf sich warten lasse. „Eher passiert das Gegenteil“, betont Schröter, „die Bürger werden immer erboster, dass ihrem Willen nicht entsprochen wird.“
Wunschtermin ist 1. 1. Anfangs habe es auch Ängste gegeben, räumt Schröter ein. Doch die konnten abgebaut werden. „Das Gefühl, dass wir zusammengehören, ist einfach viel stärker.“ Schröter blickt erwartungsvoll auf den Mai: „Wenn sich Oranienbaum und Möhlau entschieden haben, dann ist der Innenminister wieder im Zugzwang.“ Sein Wunschtermin für die Eingemeindung ist der 1. Januar 2009.
Ein Datum, das auch Klemens Koschig realistisch erscheint. Gleichwohl ihm „gestern“ lieber wäre, wie er schmunzelnd meint. Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister denkt, dass eine Zusage der Landesregierung für das Zusammengehen auch ein wichtiges Zeichen zur Gebietsreform überhaupt wäre. Ein Signal für die ganzen kleinen Dörfer, „dass es der Regierung ernst ist mit der Gebietsreform“ und dass diese Gemeinden nicht abwarten, sondern für sich entscheiden, was das Beste für ihre Zukunft ist. Er habe da schlechte Erfahrungen gemacht, was zum Beispiel Thießen betrifft, begründet Koschig seine Überlegungen. In Roßlaus Nachbarort habe es durchaus Bestrebungen gegeben, eingemeindet zu werden. Zögern habe nun dazu geführt, dass Thießen zwar an der Stadtgrenze von Dessau-Roßlau liegt, die aber auch Kreisgrenze sei. Die Postkarten, die noch mit vier weiteren Motiven gedruckt werden, wird es in der Wörlitz-Information, im Gemeindeamt Vockerode und bei Presse-Kinzel in Dessau geben. An diesen Punkten sollen sie auch gesammelt werden. „Dann sparen die Bürger das Porto und der Ministerpräsident bekommt sie paketweise“, erklärt Dessau-Roßlaus Stadtrat Ralf Schönemann, bevor er sich in den Festzug einreiht und mit Hans-Georg Otto an die Bürger am Straßenrand Karte für Karte verteilt.