Dessau/Wörlitz/MZ. Vor einem halben Jahr haben die drei Dessauer Künstler Fred Lange, Jürgen Ludwig und Wolf-Erik Widdel im Wörlitzer Park ihre Galerie "Fine Art Eisenhart " eröffnet. Dort bieten sie ihre Arbeiten aus eigener Werkstatt an - und als Tribut an das Dessau-Wörlitzer Gartenreich auch ganz besondere Wörlitzer.
"Der Wörlitzer ist ein Figürchen mit Substanz", behaupten Fred Lange, Jürgen Ludwig und Wolf-Erik Widdel unisono. Auch wenn er recht klein sei, wisse er doch zu überzeugen. Es ist ein echtes Figürchen des Gartenreiches - und nicht nur, weil es im Eisenhart zu finden ist.
In Dessau gibt es die Sonnenköppchen aus Fred Langes Keramikwerkstatt. Die ziehen mittlerweile als gefragtes Markenzeichen und anerkanntes Maskottchen Dessau-Roßlaus in alle Welt hinaus. Ein Pendant auch für Wörlitz zu schaffen, das hatten sich die drei Künstler überlegt, bevor sie ihre Autorengalerie eröffnet hatten. Und sind auf die Idee mit dem Wörlitzer gekommen. Besucher könnten für wenige Euro "ein Stückchen Wörlitzer Park mit nach Hause nehmen", wie Lange erzählt. "Denn die Menschen trachten nach Erinnerungen."
Die steuert Lange nun bei, in dem er kleine Figuren formt. Angeregt durch die zahlreichen Statuen im Park. "Dabei nicht die eine oder andere Einzelfigur in den Vordergrund zu stellen, war das Anliegen", sagt er. Deshalb ist ein jeder Wörlitzer anders - aber immer auch erkennbar als menschliche Figur. Jeder, sagt Lange, könne sie für sich selber interpretieren. Und nicht zuletzt das sei spannend.
Zumal die nur wenige Zentimeter hohe Figur, die in Blau- oder Grüntönen glasiert und mit einem Pünktchen Gold perfekt gemacht wird, auf einem ganz besonderen Sockel steht. Jeder einzelne ist aus einem echten Holz des Gartenreichs und durch die Hände von Holzgestalter Jürgen Ludwig gegangen. "Besonders die Mooreiche ist für viele ein Schlüsselerlebnis", weiß Lange. Stammt das Mooreichenholz doch aus dem Kühnauer See und ist erstaunliche 3 000 Jahre alt. Weit jünger sind Zeder und Birne - aber direkt aus dem Park nebenan und von Orkan "Kyrill" gefällt. Nun geben auch sie dem Wörlitzer passenden Stand.
Der Ton, aus dem die Wörlitzer geformt sind, ist übrigens auch aus der Region - Lange hat ihn aus der Gegend um Coswig -, ebenso wie die Glasur. Auf das Regionale legen die Dessauer Wert. Wie auch auf das Erlebnis, das nur viele Einheimische kennen: Die Wörlitzer nämlich werden "eingehaust".
Wie ihre Pendants in den Parks des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, die in der kalten Jahreszeit vor der Kälte durch Holz geschützt werden, wandern die kleinen Figürchen in eine Schutzhülle aus Karton - jedenfalls vorrübergehend auf dem Weg in ihr neues Zuhause. Und die wird schließlich gehalten von "Fürst Franzens Hosenträger", wie Lange augenzwinkernd zu den farbigen Gummis sagt. Denn den Wörlitzer Park "in so angenehmer Erinnerung wie möglich zu halten", dazu sollen die kleinen Wörlitzer beitragen. Und natürlich zum Wiederkommen animieren.
Zu haben ist die kleine Figur in der Galerie "Fine Art Eisenhart", die der Wörlitz-Besucher im gleichnamigen Gebäudekomplex Eisenhart in Neumarks Garten findet. Im ehemaligen Bibliothekspavillon gibt es viele weitere Unikate zu entdecken: Keramik, Holz, Metall, Fotografie, Grafik und Malerei.
Geöffnet ist die Galerie mittwochs und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Und besetzt von jeweils einem der Künstler - Lange, Ludwig oder Widdel.